
Hinter der regelmäßig gepflegten Homepage mit Artificial Intelligence (AI)-Adresse (http://swissnet.ai.mit.edu/~rauch/plattradio.html), steht der junge amerikanische Mathematiker Erik Rauch, dessen Eltern vor vierzig Jahren nach Amerika auswanderten, Mutter aus dem Sauerland, Vater aus Mecklenburg. Platt lernte der kleine Erik von ihnen nicht, abgesehen von "Pott", "Appel" und "Wi de Deuwel". Auch sein Hochdeutsch musste er Jahre später in der amerikanischen Highschool "zurücklernen". Bei einem Deutschlandbesuch hörte Rauch zufällig Leute plattdeutsch miteinander reden, in einer Sprache, die er längst ausgestorben glaubte. Durch die Radiosendungen im Internet lernte er, wie lebendig Niederdeutsch nach wie vor ist. Er ging auf die Suche nach akustischen Quellen – egal, ob sie nun in Rundfunksendern sprudeln oder in Universitäten wie das Literaturtelefon der Uni Oldenburg – und wurde fünfundzwanzig Mal fündig.
Das Interesse an der Sprache seiner Vorväter hat etwas mit der
Forschung Rauchs zu tun: Als Doktorand beschäftigt er sich mit den
Grundlagen biologischer Artenvielfalt. Sie sorgt für die
Überlebensfähigkeit
und Anpassung an Umwelt-Veränderungen. Im MIT arbeitet
Rauch (27) mit "komplexen Systemen" – dem Versuch, unterschiedliche
Fächer wie Physik, Biologie und Informatik zu integrieren. Analog
zur
Biologie interpretiert er Kultur samt Sprachenvielfalt. Mehr Sprachen,
so Rauch, sorgen auch für ein Mehr an intellektueller Vielfalt.
Insoweit tragen auch kleine Sprachen wie Niederdeutsch zur gemeinsamen
Kultur Deutschlands bei. Und davon profitieren nicht nur die, die
Platt sprechen.